Öffentlicher Raum

Sichbarmachung von Kalker Geschichte im öffentlichen Raum

Seit ihrem Bestehen setzt sich die Geschichtswerkstatt Kalk für die Sichtbarmachung von Kalker Geschichte im öffentlichen Raum ein.

  • „Rettung“ von Maschinen der ehemaligen Chemischen Fabrik Kalk (CFK)
  • Straßenbenennungen
  • Erläuternde Unterschilder zu Straßennamen
  • Erinnerungstafel für den Karnevalisten Karl Küpper

Maschinen – sichtbare Relikte der vergangenen Kalker Industrie

Als die Chemische Fabrik Kalk (CFK) Ende 1993 schloss und es sich abzeichnete, dass
die Fabrik abgerissen wird, wurde in der Kalker Geschichtswerkstatt beschlossen, einige Zeugnisse dieser jahrhundertelangen Kalker Geschichte zu retten.

Menschen aus dem Stadtteil sollten Maschinen aus der CFK bergen und an anderer Stelle des Stadtteils wieder aufbauen. So gaben sich ehemaliger Arbeiter der Fabrik daran, einzelne Maschinen, Schalttafeln und Embleme ihres Werkes zu sichern, um sie später im öffentlichen Raum in Kalk als Erinnerung an diese prägende Geschichte der Industriearbeit in Kalk aufzustellen.

So wurden die Geräte in einer alten Werkhalle von KHD restauriert und für die Aufstellung überarbeitet. In vielen freiwillig geleisteten Arbeitsstunden konnte die Arbeit geleistet werden, um die Maschinen dann mit Hilfe des THW endgültig aufzustellen.

Von 2000 bis 2002 wurden zwei Maschinen, eine gegenüber der Kapelle, eine in den Köln-Arkaden, zwei Schaltpulte und das ehemalige Logo der CFK im Parkhaus der Arkaden aufgestellt und in einem feierlichen Rahmen der Öffentlichkeit übergeben:

  • Der Turboverdichter an der Kalker Kapelle
    Diese Maschine aus der früheren Alkaliabteilung diente dazu, das Kohlendioxid-Gas, das beim Brennen des Kalks anfiel, zu verdichten und durch ein Rohsystem z. B. zur Soda-Abteilung zu leiten, oder an andere Orte im Werk, wo dieser chemische Grundstoff benötigt wurde. Diese Maschine wurde mit Dampf betrieben, der in der Energieabteilung in Dampfkesseln erzeugt wurde.
  • Die STAL 1 Turbine am Hintereingang der Köln Arkaden
    Diese Turbine wurde durch die schwedische Firma STAL produziert und 1931 in der Energieabteilung der CFK aufgestellt. Sie versorgte das ganze Werk mit Strom und lieg rund um die Uhr. Zur Sicherheit gab es noch eine zweite Turbine (STAL 2). Auch sie wurde mit Dampfbetrieben. Die Fabrik war dadurch unabhängig von der öffentlichen Stromversorgung. Es kam vor, dass mehr Strom als benötigt wurde anfiel. Der wurde dann an die Kölner GEW (heute Rheinenergie) verkauft.
  • Schaltpulte im Parkhaus der Köln-Arkaden neben dem Wasserturm, ebenerdig
    Hier sind zwei Schaltpulte, das linke von der Zentrale 1, wodurch auch die STAL-Turbinen gesteuert wurden. Die rechte Schaltzentrale stammt aus der neuen Soda und steuerte die dortigen Maschinen. Im Hintergrund die Schalttafel der Zentrale 1, die die gesamte Energieversorgung des Werkes überwachte.
  • Das große CFK Logo an der Außenwand des rechten Parkhauses neben dem Hintereingang der Köln-Arkaden.
    Dieses Logo hing in etwa zehn Metern Höhe auf der Außenwand der Filterstation und war schon vom Weiten zu sehen.

Straßenbenennungen und erläuternde Straßenschilder

Auf Initiative der Kalker Geschichtswerkstatt gab es mehrere Straßenbenennung für neue Straßen in Kalk, die an aufrechte Kalker Frauen und Männer erinnern.

Im September 2004 wurden die Schilder für die „Martha-Mense-Straße“ und für die „Geschwister-Katz-Straße“ mit erläuternden Untertafeln in der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Texte stammten von der Geschichtswerkstatt.

  • Martha Mense, geb. 1911 war in der kommunistischen Jugend aktiv und ab 1933 im Widerstand, u.a. in Kalk. Sie wurde verhaftet, gefoltert und zu mehreren Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach dem baute sie die Vereinigung der Verfolgten des NS-System mit auf und ist in der Friedensbewegung aktiv. Sie starb 1998.
  • Die Familie von Jakob (1884-1942) und Berta (1881-1942) Katz zog 1905 nach Kalk in die Remscheider Straße 67. Sie hatten vier Kinder, Markus, Bernhard, Amalia und Johanna. Die Eltern wurden 1941 in das von den Nationalsozialisten errichtete Ghetto Litzmannstadt (Lodž/Polen) deportiert und später für tot erklärt. Ihre beiden Kinder Amalia und Bernhard wurden 1942 ermordet. Für die Eltern Jakob und Berta sowie Amalia liegen drei Stolpersteine auf der Remscheider Straße. Sohn Bernhard wurde aus Düsseldorf deportiert.

Im Jahre 2008 sorgte die Kalker Geschichtswerkstatt zusammen mit dem Bürgerverein Kalk dafür, dass an zehn Straßenschildern erläuternden Infotafeln angebracht wurden. Diese erinnern an Kalker Persönlichkeiten, u. a. Bürgermeister und Pfarrer, die bestimmend für das Kalker Gemeinwesen waren. Dabei handelte es sich um:

  • Albermannstraße,
    Max Albermann, Bürgermeister von Kalk von 1900-1910
  • Heinrich-Bützler-Straße,
    Heinrich Bützler, Lehrer, Verfasser der ersten historischen Darstellung über Kalk 1910
  • Hollweghstraße,
    Pastor Rupertus Hollwegh verfasste 1715 die „Historie der Schmerzhaften Maria zu Kalk“
  • Martin-Köllen-Straße,
    Martin Köllen, kathol. Pfarrer in Kalk, von 1891-1918, Stadtdechant, 1833-1918
  • Nießenstraße,
    Peter Paul Nießen, 1817-1875, erster katholischer Pfarrer von Kalk von 1856-1875
  • Steprathstraße,
    Andreas Steprath, Abt von Deutz, ließ 1666 die Kalker Kapelle errichten
  • Thumbstraße
    Aloys Thumb, Bürgermeister von Kalk von 1882-1900
  • Vietorstraße,
    Friedrich Martin Vietor, erster protestantischer Pfarrer in Kalk von 1873-1909
  • Vorsterstraße,
    Julius Vorster, 1809-1876, Mitbegründer der Chemischen Fabrik Kalk 1858
  • Wiersbergstraße,
    Wilhelm Wiersberg, erster besoldeter Bürgermeister von Kalk 1867-1880

Im März 2014 beschloss die Bezirksvertretung Kalk, den Fußweg zwischen Lüttringhauser Straße und Stadtautobahn „Hanna-Meuter-Weg“ zu benennen.

  • Die Kalker Geschichtswerkstatt hatte 2013 in ihrer Publikation auf das Schicksal dieser Frau hingewiesen, die 1918 als erste Frau Direktorin eines Gymnasiums, der evangelischen Töchterschule zu Kalk, wurde.
  • Später wurde sie Volkshochschuldirektorin. Ihr Versuch, sich an der Kölner Universität zu habilitieren, wurde von den männlichen Kollegen verhindert. Nach dem Krieg arbeitete sie als Oberregierungsrätin für Wohlfahrt beim Regierungspräsidenten in Aachen. Sie starb 1964.